Dinosaurier tu' was!

Es ist nicht immer einfach mit mir! Es reicht meist ein kleiner Anlass und schon krame ich – vielleicht gerade nicht unbedingt benötigtes – Wissen, jahrhundertealte Zitate und historische Fakten aus den hintersten Regionen meiner Gehirnwindungen ... und lasse meine Mitmenschen daran teilhaben.

 Gestern fiel mir beim Sortieren eines Bücherregals meine zerlesene Fassung des großen Klassikers der Evolutionsbiologie in die Hände: „On the origin of species by means of natural selection“ (1859). Als sich Charles Darwin (1809-1882) mit seiner revolutionären Theorie über die Entstehung der Arten erstmals in die Öffentlichkeit wagte, war der Schrei der Empörung vermutlich bis auf die Galapagosinseln zu hören. Denn seine Vorstellungen vom Kampf ums Dasein und natürliche Selektion richtete sich gegen die Schöpfungsgeschichte und damit gegen den Glauben der religiös geprägten Gesellschaft. Die Vorstellung, der Mensch habe sich aus einer affenähnlichen Spezies entwickelt, war unvorstellbar. Und so erntete er statt Anerkennung herbe Kritik. Die Karikaturen, die das Konterfei des Wissenschaftlers auf einem Affenkörper zeigten, kennen sicher viele noch aus ihrem Bio-Schulbuch. Aber trotz Beschimpfungen verteidigte er seine Theorie bis sie schließlich als gängige Lehrmeinung akzeptiert wurde – wenn man von einigen ewig gestrigen Kreationisten absieht, die bis heute am Buch Genesis festhalten. 

Mit Blick auf seine Erkenntnisse formulierte Charles Darwin weise Worte – wohl nicht ahnend, dass sie sich rund 150 Jahre später auch auf die Berufswelt beziehen lassen:

 „Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel.“

 Wie wahr! Aktuell erleben wir vielerorts, dass Veränderung zu unserem ständigen Begleiter geworden ist. Change heißt das Zauberwort und wir kommen nicht daran vorbei. Verändernde Marktsituationen und technische Entwicklungen verlangen von uns Wandel auf vielen Ebenen. Wir verändern unsere Art zu arbeiten und miteinander zu kommunizieren. Wir pflegen eine neue Fehlerkultur und entwickeln Technologien, von denen wir heute noch nicht wissen, wofür wir sie morgen eventuell benötigen. So verschaffen wir uns den nötigen Vorsprung, um schneller oder besser zu sein als unsere Konkurrenten.

 Tun wir das nicht, bleiben wir auf der Strecke und sterben am Ende aus wie die Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren. Im Gegensatz zu den agilen, flexiblen Säugetieren haben sie es nicht geschafft, sich schnell genug anzupassen, als ein Meteorit ihre Lebensbedingungen schlagartig veränderte. Was folgte wissen wir alle. Heute geht es vielen Großen ähnlich. Festgefahren in hierarchischen Strukturen fällt es ihnen schwer, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Heute muss man flexibel unterwegs sein und sich eines hinter die Löffel schreiben: Veränderung gehört zum Alltag, denn nichts bleibt so, wie es war. Es überleben nicht mehr die stärksten Saurier mit den längsten Hälsen oder kräftigsten Panzern, sondern die, die am besten an ihre Umwelt angepasst sind.

 Rückblickend hört sich die Evolution nach einem logisch verlaufenden Prozess an. Das war sie sicher nicht. Mal davon abgesehen, dass wir hier über Millionen von Jahren dauernden Zeitraum sprechen, war der „struggle for life“ eben genau das – ein Kampf. Und auch die Change-Prozesse heutiger Tage haben mitunter kämpferische Züge. Sie fordern alles von den Beteiligten, wirken bedrohlich und lösen Ängste aus, führen zu Stress mit all den dazugehörenden, körperlichen Folgen. An dieser Stelle sind die Führungskräfte gefordert. Es ist ihr Job, in Zeiten der Veränderung für Stabilität im Unternehmen zu sorgen. Wenn um mich herum alles im Wandel begriffen ist, helfen mir gelebte Werte, offene Kommunikation und ein verlässliches, freundliches Miteinander über viele Alltagssorgen und Nöte hinweg. Nur so schafft man gemeinsam den Wandel, ohne auf dem Weg zu viele Federn zu lassen.