Vollbremsung Rezession?
Wer Krise nicht kann, kommt schnell ins Schleudern.

Ein Spark von Felix H. Kühn/28.08.2019
Schlechte Quartalsergebnisse, ein trüber Ifo-Index und erste Kurzarbeit: Die Konjunktur schwächelt. Dabei sind die Folgen von BREXIT, laufenden Handelskriegen und weiterer weltpolitischer Unordnung bislang kaum eingepreist. Es kann und wird vermutlich „ziemlich dicke kommen“.

2009 haben wir als Berater erlebt, wie viele Unternehmen mit voller Wucht von der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen wurden. Schlag auf Schlag haben wir Strategiewechsel, Organisationsveränderungen, Kurzarbeit, Stellenabbau und anschließend plötzliches Wachstum mit all seinen Herausforderungen begleitet.

Seitdem sind 10 Jahre vergangen – Jahre voller Wachstum und Erfolg. Viele Unternehmen befinden sich im Wandel, schaffen neue Arbeitswelten, verändern starre Strukturen und bringen junge Mitarbeiter in Führung. Die Digitalisierung ist im vollen Gange.

Diese Entwicklungen könnten nun jäh von einer Rezession unterbrochen werden. Dann gilt es, mit dem Team den bestmöglichen Weg durch die Krise zu finden und dabei stark zu bleiben, um den nächsten Aufschwung nutzen zu können. Damit das gelingt, müssen Unternehmen u.a. ihre wertvollen Fachkräfte halten, auch in schweren Zeiten. Eine Herkulesaufgabe für alle Führungskräfte und die Verantwortlichen aus HR und Kommunikation. Viel Erfahrung, spezielle Fähigkeiten und mentale Kondition sind gefragt.

Die große Frage lautet: Können wir, Führungskräfte und Mitarbeiter, momentan in einen längeren Change- und Krisenmodus schalten – und eine Rezession erfolgreich meistern?

Zahlreiche Unternehmen, darunter auch viele unserer Kunden, haben 2009/2010 die Kraft von Transparenz und gemeinsamen Werten schätzen gelernt. Sie haben erlebt, wie effektiv und glaubwürdig Kommunikation als Führungsinstrument sein kann. Und sie haben dieses Mittel eng mit den nötigen, teils drastischen Maßnahmen verzahnt und so den Weg durch die Krise gemeistert. Doch was ist davon noch übrig?

Es ist höchste Zeit: für eine Bestandsaufnahme – und eine gründliche Vorbereitung. Wir haben einen kleinen Fitness-Check zusammengestellt, der bei dieser ersten Bestandsaufnahme helfen kann:

Was haben wir in der Krise vor 10 Jahren gelernt?

  • Wie sind wir mit Führungskräften und Mitarbeitern umgegangen? Wie haben wir kommuniziert, sie einbezogen und durch die schwere Zeit begleitet?
  • Was hat sich in der Krise bewährt und welche Fehler haben wir gemacht?
  • Welche Lehren haben wir gezogen, was haben wir uns vorgenommen und was umgesetzt?
  • Auf welche Erfahrungen können wir bauen, wo haben sich wesentliche Parameter verändert?

Stehen unsere Strukturen? Haben wir das nötige Know-how?

  • Haben wir aktuell eine belastbare und funktionierende Organisationsstruktur oder befinden wir uns gerade im Wandel (z. B. aufgrund der Digitalisierung)?
  • Stehen uns zeitgemäße Medien und Prozesse zur Verfügung, um unsere Mitarbeiter schnell und wirksam zu erreichen?
  • Verfügen unsere Kommunikations- und HR-Abteilungen über das nötige Know-how, die erforderliche Erfahrung und ausreichende Ressourcen?

Können unsere Führungskräfte und Mitarbeiter mit einer langen Durststrecke umgehen?

  • Welche Mitarbeiter und Führungskräfte von „damals“ sind heute noch dabei?
  • Wie viele krisenerprobte, resiliente Führungskräfte sind in unserem Team, wie viele unserer Mitarbeiter und Führungskräfte kennen „nur Wachstum“?
  • Funktioniert unsere Kommunikationskaskade über unsere Führungskräfte? Haben wir damit ein stabiles Führungs- und Dialoginstrument?
  • Verfügen unsere Führungskräfte über die nötigen Fähigkeiten und die innere Haltung, um diese spezielle Form der Changekommunikation über einen längeren Zeitraum zu leisten?

Ist unsere Kultur dieser Herausforderung gewachsen?

  • Haben wir belastbare Grundsätze der Zusammenarbeit und Führung oderbefinden wir uns gerade in einen Transformationsprozess?
  • Haben wir eine definierte Kultur und gelebte Werte oder befinden wir uns gerade in einem Kulturwandel (z.B. aufgrund der Digitalisierung)?
  • Können wir Kultur, Werte und Grundsätze in der Krise als Vertrauens-Ankerpunkte einsetzen?
  • Wie stark gefährden unsere „Notfallpläne“ und die damit verbundenen Maßnahmen wichtige, laufende Veränderungen bei uns? Und: Gefährden diese Veränderungen unsere Maßnahmen?

Befinden wir uns bereits (gefühlt) in der Krise?

  • Gibt es bereits sichtbare Auswirkungen der Konjunkturschwäche? Wie haben wir diese begründet?
  • Sind diese Auswirkungen oder eingeleitete Schutzmaßnahmen für unsere Mitarbeiter sichtbar oder gar spürbar?
  • Wie ist die Stimmung unter unseren Mitarbeitern, gibt es eventuell schon Sorgen und Ängste?
  • Erhöhen wir die Gefahr, Mitarbeiter zu verunsichern und Leistungsfähigkeit zu verlieren, weil wir uns und unsere Führungskräfte nicht ausreichend auf die vor uns liegende Phase vorbereiten?

Es lohnt sich, etwas Arbeit in die Beantwortung dieser Fragen zu investieren, gründlich zu analysieren und die Fachleute aus Führung, HR und Kommunikation aktiv einzubeziehen. Darüber hinaus formt sich in diesem Prozess das Team, das am Ende gebraucht wird, um die Menschen mitzunehmen und so das Unternehmen durch die Krise zu steuern.